Baustelle Zukunft

 
Foto: SPD Buxtehude

Lars Klingbeil

 

„Welches sind die größten politischen Baustellen der Zukunft?“ fragte Moderatorin Sigrid Baumann-Tornow im Auftrage der Buxtehuder Sozialdemokraten die zu einer Podiumsdiskussion in das Kulturforum geladenen Gäste.

 

„Der entscheidende Punkt ist, wie die Länder mit der Globalisierung umgehen“, sagt dazu Gero von Randow, Redakteur bei der Wochenzeitung DIE ZEIT. Frankreichkenner von Randow setzt dabei auf Europa. Nur durch Stärkung der europäischen Idee, auch als Friedensprojekt, könne gegen Fremdenfeindlichkeit, Protektionismus und Nationalismus gehandelt werden. „Fällt Frankreich an Le Pen, dann ist Europa im Kern getroffen.“

„Wir alle werden mit klarer Haltung um Europa kämpfen müssen“, machte Lars Klingbeil, Sprecher der Niedersächsischen SPD-Abgeordneten im Deutschen Bundestag, deutlich, „für ein Europa, das beileibe nicht perfekt ist und weiter entwickelt werden muss.“

Dieser Gedanke wird von Rainer Kuhn, Geschäftsführer der Gewerkschaft Ver.di Bremen/Nordniedersachsen unterstützt, der sich die gegenwärtige Entwicklung des Rechtspopulismus nicht hatte vorstellen können. Er betonte, dass es dabei aber nicht nur um die beherrschenden Wirtschaftsthemen gehen dürfe, sondern, so Kuhn: „Es geht um ein soziales Europa auf Augenhöhe aller Beteiligten und es geht um Friedenspolitik.“ Dabei müssen die Ängste aufgrund des Veränderungsdrucks Beachtung finden und ernst genommen werden.

Digitalisierung der Arbeitswelt ist die zweite Herausforderung der Zukunft. Vor dem Hintergrund der Entwicklung in Asien meint Lars Klingbeil: „Wir haben die 1. Halbzeit schon verloren, wenn wir nicht sehr schnell die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die neuen Arbeitsplätze qualifizieren.“ Hier seien die Betriebe selbst gefordert, die bei Fortbeschäftigung für Weiterbildung sorgen müssen. Gewerkschafter Rainer Kuhn ergänzt mit Blick auf die sozialen und Pflegeberufe: „Arbeit mit Menschen muss genauso gut entlohnt werden wie Arbeit mit Maschinen.“ Die Digitalisierung kann bei entsprechenden Datennetzen auch Arbeitsplätze, gerade in ländlichen Bereichen, schaffen. Dabei seien heute aber noch viele Fragen insbesondere zum Arbeitnehmerschutz offen. Rainer Kuhn beklagte, wie auch mehrere Teilnehmer, dass die Einkommensschere zwischen Arm und Reich zunehmend auseinanderklafft. Hier müssen finanzpolitische Instrumente wie Besteuerung des Kapitalverkehrs an den Börsen und die stärkere Belastung von Finanzeinkommen zugunsten der Arbeitseinkommen zum Tragen kommen. Die Altersversorgung in den privaten Bereich zu verschieben, halten alle Diskussionsteilnehmer für falsch.

Erschrocken zeigte sich Lars Klingbeil von einem völlig veränderten Informationsverhalten von vielen nicht nur jungen Menschen. Einem russischen Propagandamedium wie Russia today werde von vielen Nutzern die gleiche Glaubwürdigkeit zugesprochen wie der Tagesschau. Fake news, Vereinfachungen und Emotionalisierung stellen eine Gefahr dar. Die Sozialdemokraten setzten auf Sachlichkeit und Bürgerbeteiligung, sowohl durch Foren im Internet als auch durch Diskussion vor Ort.

V_Gero_von_Randow_17_03_2017.jpgFoto: SPD Buxtehude

Gero von Randow

V_Rainer_Kuhn_17_03_2017.jpgFoto: SPD Buxtehude

Rainer Kuhn

 
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