1867, Gründung der Buxtehuder SPD

Die Reichstagswahl 1867 und die Gründung des Buxtehuder SPD Ortsvereins

Theodor York

Theodor York war einer der eifrigsten Agigatoren des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins im Hamburger Stadtgebiet. So begann auch gleich nach seiner Nominierung im "Buxtehuder Wochenblatt" eine heftige Polemik gegen den Kandidaten und gegen die Ideen der Arbeiterpartei.

Im Stader Landkreis konnte die Arbeiterbewegung offenbar kein Fuß fassen. So teilte am 27. Juli 1866 die Königlich-hannoversche Landdrostei (Vorläufer der Bezirksregierung) in Stade allen Behörden mit, dass ein Aufruf "An die Arbeiter" aus dem Organ des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins "Social Demokrat" von Hannover an die Arbeitervereine im Lande und auch an die Fabrikarbeiter versandt worden sei. Der Aufruf fand kaum eine Resonanz. Noch konnte der Magistrat der Stadt Stade beruhigt melden, dass es in der Stadt nur den (unpolitischen) Arbeiterbildungsverein gebe und diese Aufrufe nicht verteilt worden seien.

Als nach dem Krieg von1866 und der Annexion des Königreiches Hannover der Norddeutsche Bund gegründet worden war, erhielt auch bei uns der ADAV durch die Wahlen zum Norddeutschen Reichstag am 12. Februar 1867 eine bessere Agitationsgrundlage. Wahlberechtigt waren alle Männer über 25 Jahren.

In einer Reihe von Wahlreisen wurden auch sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt - im hannoverschen Wahlkreis Nr. 17 (Harburg-Rothenburg) der Tischlergeselle Theodor York, der auf einer Volksversammlung in Hamburg als "Arbeiterkandidat" nominiert wurde.

York war einer der eifrigsten Agigatoren des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins im Hamburger Stadtgebiet. So begann auch gleich nach seiner Nominierung im "Buxtehuder Wochenblatt" eine heftige Polemik gegen den Kandidaten und gegen die Ideen der Arbeiterpartei.

Am 6. Februar 1867 fand im Gerlachschen Saal (später Küke, heute Marktkauf, Bahnhofstraße) in Buxtehude eine öffentliche Versammlung statt, auf der York sprach. Acht Buxtehuder hatten die Zeitungsanzeige für diese Versammlung unterschrieben. Das "Wochenblatt", das seine Polemik nach dieser Veranstaltung noch steigerte, berichtete, dass höchstens 500 Personen anwesend waren und sich etwa die Hälfte für York aussprachen (Buxtehude hatte damals rund 2.700, Altkloster knapp 800 Einwohner.) Das Wahlergebnis war ausgesprochen gut für Yorks Anhängerschaft. Zwar wurde der Kandidat der Nationalliberalen, der Harburger Bürgermeister Gumbrecht, mit 8.640 Stimmen gewählt. Aber Theodor York erhielt beachtliche 3.660 Stimmen. Yorks Stimmanteil im gesamten Wahlkreis betrug knapp 30 Prozent. In Buxtehude erhielt er jedoch mit 242 Stimmen mehr als die Hälfte aller abgegebenen, während der nationalliberale Kandidat nur auf 210 Stimmen kam.

An der Este aber löste Yorks Wahlerfolg die Gründung einer Organisation des ADAV in Buxtehude/Altkloster aus - auf einer Versammlung am 10. März 1867, auf der wiederum Theodor York sprach.

In wenigen Tagen traten der neuen "Gemeinde" des ADAV über 30 Mitglieder bei. Und beim Magistrat der Stadt Buxtehude gab der Maurergeselle König jr. am 2. Mai 1867 zu Protokoll, dass er vom Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins zum Bevollmächtigen für Buxtehude ernannt worden sei, und beantragte die Erlaubnis, an jedem ersten Sonntag im Monat in der Schankwirtschaft L. Vorbeck eine Mitgliederversammlung abhalten zu dürfen. Das wurde per Aktenvermerk genehmigt.

Nach Auflösung des konstituierenden Reichstags wurde im August 1867 der 1. Norddeutsche Reichstag gewählt. Wieder kandidierte Theodor York im 17. Wahlkreis. Seine Stimmzahl ging jedoch erheblich zurück, weil nach der Februarwahl zahlreiche Arbeiter in Harburg, Buxtehude und Altkloster, die für York gestimmt hatten, von ihren Arbeitgebern gemaßregelt bzw. entlassen wurden.

Auf dem Eignungsparteitag in Gotha (22. - 27. Mai 1875), auf dem sich die Lassallianer des ADAV und Liebknecht/Bebels "Sozialdemokratische Arbeiterpartei" (SDAP) zur "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" zusammenschlossen, waren die Buxtehuder durch den Hamburger Delegierten Steffen vertreten. Erst seit diesem Zeitpunkt gab es eine einheitlich organisierte Arbeiterbewegung in Deutschland. Ihr organisatorischer Aufschwung stärkte andererseits beim Bürgertum und jeweiligen Regierungen die Furcht vor den sozialistischen "Reichsfeinden".