1918 - 1933

Die SPD in der Weimarer Republik 1918 - 1933

Franz Andreas

Franz Andreas: Gemeindevorsteher in Altkloster 1923 - 1931

Das Ende des Kaiserreiches und der erste Versuch einer Demokratie in Deutschland brachten auch im Stader Raum einen neuen Aufschwung der sozialdemokratischen Parteiorganisation.

In vielen Orten, in denen vorher nur Vertrauensleute oder Einzelmitglieder saßen, wurden vor allem in den Jahren 1919 - 1921 neue Ortsvereine gegründet, bestehende aktiviert.

Erstmals kamen nach dem Kriege fünf Buxtehuder Sozialdemokraten in die Stadtvertretung: August Stemmann. Peter Meyer, Friedrich Aldag, Peter Harms und Paul Thien. In den Magistrat der Stadt kam als Senator Hermann Weber, dem später Ferdinand Geerken folgte. In der Gemeinde Altkloster, die 1931 zu Buxtehude kam, stellte die SPD seit 1923 mit Franz Andreas den Gemeindevorsteher.

Im Tätigkeitsbericht des Bezirks Hamburg-Nordwest wurde für den SPD-Ortsverein Buxtehude-Altkloster eine Mitgliederzahl von 290 Männern und 77 Frauen genannt. Neben den Mitgliederversammlungen fanden in der Berichtszeit Frauenabende statt. Für Buxtehude und Jork fanden Bildungs- und Filmveranstaltungen statt. Außerdem bestand in Buxtehude eine Gruppe der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) und der Kinderfreunde.

 
Hugo Schimke

Hugo Schimke: Er führte das Mitte der zwanziger Jahre als Gegengewicht zur nationalsozialistischen SA und zum deutschnationalen "Stahlhelm" gegründete "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" in Buxtehude.

In den folgenden Jahren schwankte die Mitgliederzahl in Buxtehude zwischen 380 und 350 und ging 1932 auf 308 zurück. Im Ortsverein wurde ein Bildungsausschuss gegründet. Wanderlehrer der Partei kamen auch nach Buxtehude.

Bei den Kommunalwahlen 1929 erreichte die SPD in Altkloster 42,7 % der Stimmen und 8 von 18 Sitzen. Gemeindevorsteher war weiterhin Franz Andreas, Fraktionsvorsitzenden Friedrich Schneider.

In Buxtehude errang die SPD 36 % der Stimmen und 5 von 15 Sitzen. Ferdinand Geerken war Magistratsmitglied, Hugo Schimke Fraktionsvorsitzender.

Das Mitte der zwanziger Jahre als Gegengewicht zur nationalsozialistischen SA und zum deutschnationalen "Stahlhelm" gegründete "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" war 1932 in nahezu allen größeren Orten des Landkreises Stade vertreten, so auch in Buxtehude. Es hatte rd. 130 Mitglieder und wurde von Hugo Schimke geführt. Reichsbanner, Angestelltenorganisationen und andere republikanische Vereine schlossen sich Ende 1931 zur "Eisernen Front" zusammen, um den Weimarer Staat und seine demokratischen Institutionen gegen die antirepublikanische "Harburger Front" aus Nationalsozialisten und Deutschnationalisten zu verteidigen. Vergeblich, am 30. Januar 1933 berief der mit ihrem Engagement wiedergewählte Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Kanzler des Deutschen Reiches.

 
Friedrich Schneider

Friedrich Schneider: 1929 Fraktionsvorsitzender in Buxtehude.
Hier führte er auch das Mitte der zwanziger Jahre als Gegengewicht zur nationalsozialistischen SA und zum deutschnationalen "Stahlhelm" gegründete "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold".

In den letzten Jahren der Weimarer Republik, die geprägt waren durch die Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, verschärfte sich auch in Buxtehude der Gegensatz zwischen den immer stärker werdenden Nationalsozialisten und den Sozialdemokraten sowie den Kommunisten, die gegen beide gleichermaßen kämpften.

Aktiv wurden die Nationalsozialisten in Buxtehude etwa ab Mitte 1930, als der bürgerliche Widerstand gegen sie mehr und mehr erlahmte und auch das "Buxtehuder Tageblatt" aus dem deutschnational-liberalen Lager in das NS-Lager hinüber schwenkte. Verschärft wurde auch die Form der politischen Auseinandersetzung. An die Stelle verbaler Diskussionsbeiträge in den Versammlungen ersetzten insbesondere im Jahre 1931 Stuhlbeine, Bierkrüge, Stahlruten und Schlagringe die Argumente.

Nach dem Konkurs der Altklosteraner Papierfabrik am 1. Oktober 1925, durch den mit einem Schlage 300 Menschen arbeitslos wurden und während der Wirtschaftskrise am Ende der zwanziger Jahre bildete der Ellerbruch, wo zahlreiche Arbeiter der Fabrik wohnten, eine Hochburg der SPD und KPD, ähnlich wie der Mühlenweg und der Bereich Reeperbahn/Halephagenstraße.